Niels Henrik Abel – das norwegische Genie

Niels-Henrik-AbelIn den Aufzeichnungen seines Lehrers fand man die Bemerkung „… dass er der größte Mathematiker der Welt werden kann, wenn er lange genug lebt.“.
Nun, lange gelebt hat Niels Henrik Abel leider nicht, aber zu einem der größten Mathematiker seiner Zeit und zum größten Norwegens ist er geworden…

Als zweites von sieben Kindern eines Landpastors wurde Niels Henrik Abel am 05.08.1802 auf Finnøy (Rogaland) geboren. Anfangs unterrichtete der Vater ihn und seine Geschwister. Ab dem 13. Lebensjahr durfte Abel zusammen mit seinem größeren Bruder Hans Mathias an die Domschule in Kristiania (heute Oslo) gehen. Hier traf er auf seinen Lehrer und großen Förderer Bernt Michael Holmboe. Er gab Niels Henrik Abel Schriften von Mathematikern wie Gauß, d’Alembert, Lagrange zu lesen, die dieser verschlang und in unglaublich kurzer Zeit darauf basierend eigene Untersuchungen anzustellen begann. Seine soziale Situation indes verschlechterte sich extrem. Er war völlig mittellos, sein Elternhaus war hoch verschuldet, sein Vater starb 1820, und sein Bruder wurde durch Krankheit erwerbsunfähig.

Trotz allem wurde Niels Henrik Abel 1821 an der Universität Kristiania immatrikuliert. Holmboe hatte ihm kostenlose Unterkunft an der Universität verschafft. Unterstützt durch Freunde und Verwandte konnte sich Abel über Wasser halten. Freundschaftlichen Rat und Familienanschluss fand er bei Professor Hansteen. Dieser war der Herausgeber der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift Norwegens namens Magazin for Naturvidenskaberne (Magazin für Naturwissenschaften). Hier veröffentlichte Niels Henrik Abel seine ersten Artikel, die die typischen Züge eines Autodidakten tragen, aber auch die eines reifenden Genies. Sein großes Interesse galt den elliptischen Funktionen und den algebraischen Gleichungen. Auf diesen beiden Gebieten ist er schließlich auch in die Geschichte eingegangen.

Ende 1823 wies Abel nach, dass die Auflösung der allgemeinen Gleichung fünften Grades in Radikalen nicht möglich ist. Er hatte seine erste bedeutende mathematische Entdeckung gemacht. Die Universität tat ihr Möglichstes, um Abel zu fördern. 1824 wurde ihm ein bescheidenes, aber ausreichendes Stipendium gewährt. Außerdem wurden finanzielle Mittel bereitgestellt, die es ihm ermöglichen sollten, auf einer Reise die wichtigen mathematischen Zentren zu besuchen. Diese Reise startete im Sommer 1825 und führte Niels Henrik Abel über Kopenhagen und Hamburg nach Berlin, wo er den Winter verbrachte. In Berlin wurde er herzlich aufgenommen vom Oberbaurat A. L. Crelle. Crelle war ein bedeutender und einflussreicher Ingenieur und Herausgeber des Journal für die reine und angewandte Mathematik. Abel arbeitete in den knapp vier Monaten, die er in Berlin verweilte, sechs Abhandlungen für diese Zeitschrift aus, von denen zwei als Meilensteine in der Geschichte der Mathematik gelten – der Beweis der Unmöglichkeit der algebraischen Auflösbarkeit der allgemeinen Gleichungen, welche den vierten Grad übersteigen und die Abhandlung über die binomische Reihe (Abelscher Stetigkeitssatz).

Abel-Monument-Oslo

Vigelands Abel-Monument auf
dem sogenannten Abelhaugen
im Osloer Schlosspark
Foto: Vigeland-museet

Abels Reise führte weiter über Freiberg, Dresden, Wien, Venedig und schließlich im Juli 1826 nach Paris, der damaligen Hauptstadt der Mathematik. Gerade in Paris wurden aber Abels Erwartungen nicht erfüllt. Die französischen Mathematiker wollten ihn nicht empfangen. Ein an den großen Cauchy übergebenes Manuskript mit der “Untersuchung über eine allgemeine Eigenschaft einer sehr verbreiteten Klasse transzendenter Funktionen” (Abelsches Theorem) wurde verlegt. Erst lange nach Abels Tod kam es wieder zum Vorschein, und die bedeutenden Erkenntnisse wurden öffentlich.
In Paris erhielt er auch weitere Anregungen für das zweite ihn besonders interessierenden Gebiet – die Theorie der elliptischen Integrale. Auch die Gruppentheorie, Abel gilt als einer der Begründer dieser (Abelsche Gruppe), nahm hier erste Formen an.

Mit reichem wissenschaftlichem Gewinn, aber ohne die erhoffte offizielle Anerkennung verließ Abel Ende 1826 frustriert Paris. Über Berlin, wo sich Crelle wieder seiner annahm, ohne ihm jedoch eine halbwegs vernünftige Anstellung bieten zu können, kehrte Abel 1827 nach Norwegen zurück. Hier fand er lediglich eine Lehramtsstelle an einer neugegründeten Militärakademie und vorübergehend eine Aushilfsstelle an der Universität. Eine feste Anstellung an der Universität in Kristiania blieb ihm verwehrt. Das Schlimmste aber war die Diagnose Tuberkulose, ein Todesurteil in der damaligen Zeit. Einzig die Mathematik gewährte ihm Ausgleich für alle Kümmernisse. Um den Jahreswechsel 1828/1829 verschlechterte sich Abels Gesundheitszustand sehr rasch. Auch die Pflege bei Freunden in Froland (Aust-Agder) half nicht mehr. Er verstarb am 06.04.1829 im Alter von nur 26 Jahren.
Zwei Tage später traf ein Brief mit der Berufung Niels Henrik Abels an die Berliner Universität ein. Endlich hätte er eine angemessene Anstellung gehabt.

1881 wurden die gesammelten Werke von Niels Henrik Abel veröffentlicht. 1908 wurde Gustav Vigelands Abel-Monument im Schlosspark in Oslo feierlich enthüllt. Zu seinem 200. Geburtstag wurde von der norwegischen Regierung die Abel-Stiftung ins Leben gerufen, die seitdem jedes Jahr den hoch dotierten Abelspreis verleiht. Die Mathematikolympiade für Schüler in Norwegen ist auch nach Niels Henrik Abel benannt: Abelkonkurransen.

 

Weitere Infos:
Niels Henrik Abel i Store norske leksikon
www.forskning.no
www.abelprisen.no

 

 

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Königskrabben

Königskrabbe

Königskrabbe

Hoch im Norden Norwegens, in der Finnmark, liegen die köstlichen Königskrabben im kalten Gewässer der Barentssee. Bis zu 13 Kilo kann eine Königskrabbe auf die Waage bringen, dazu schmeckt sie hervorragend und ist gesund. Sie sieht aufgrund ihrer Größe und den langen Arme sehr furchteinflößend aus. Mit spitzen Klauen an den Beinen sieht das bis zu einem Meter große und dreizehn Kilogramm schwere Schalentier unheimlich aus.

Sie kann eine Spannweite von bis zu zwei Metern erreichen und bis zu ca. 13 Kilogramm schwer. Viele Fischer lassen riesige Fangkörbe von ihren Schiffen, um die Krabben einzufangen. Dabei sind sie häufig mehrere Wochen unterwegs. Dafür wartet aber ein satter Gewinn für die Fischer.

Groß, rot, lecker, selten. So sieht der Steckbrief der Königskrabbe aus, die hierzulande selten serviert wird. Dieser Meeresbewohner gehört zu den Exoten unter den Meeresfrüchten. Serviert wird das gekochte und ausgebrochene Fleisch mit einer Knoblauch- und/oder Cocktailsoße, Salat, und dem leckeren Weißbrot Loff. Die Zubereitung erfordert etwas Übung. Am besten bekommen dem Beinfleisch indirekte Hitze oder Garen bei Temperaturen bis maximal 60 Grad. Meistens reichen 10 bis 15 Minuten Garen in Salzwasser.

Aussehen und ungewohnter Umgang sind möglicherweise Gründe, warum frische Königskrabben selten im Handel erhältlich sind. Ganz gibt es sie so gut wie gar nicht, die Beine im sehr gut sortierten Einzelhandel.

Ursprünglich heimisch sind die Krebse im Nordpazifik vor Kamtschatka. Entdeckt wurden sie von dem deutschen Naturforscher Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau. Er erzählte von der Kamtschatkakrabbe 1804 zum ersten Mal. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Beringsee über Alaska und Kanada bis nach Hokkaido und die Straße von Korea. Im Nordpazifik fischen Japan, Korea, Russland und die USA nach ihnen. Die Norweger fischen hauptsächlich an der Küste der Finnmark, in der Barentssee. Für Touristen gibt es sogar extra Königskrabben-Safaris. Dabei können sie vom Boot aus zusehen, wie ein Taucher einen dieser Meeresungehäuer an die Wasseroberfläche bringt. Anschließend wird das Tier gekocht und zu einer Kostprobe verarbeitet. Wer einen Tauchschein hat, kann auch selbst nach den Krabben tauchen.

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