Bjørnstjerne Bjørnson – der Nationaldichter Norwegens

Bjørnstjerne-Bjørnson

Foto: Norsk Folkemuseum

Bjørnstjerne Bjørnson war einer der bedeutendsten norwegischen Dichter und der nationalistischste seiner Zeit. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die norwegische Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet und der Roman Synnøve Solbakken.
Als erster norwegischer Schriftsteller erhielt Bjørnson 1903 den Nobelpreis für Literatur „als ein Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war“.
Neben seiner Tätigkeit als Dichter und Dramatiker setzte sich Bjørnstjerne Bjørnson in politischen Debatten für die Unabhängigkeit Norwegens ein. Soziale Fragen berührten ihn stark. Er war ein großer Verfechter der Harmonie, des Friedens, der Gerechtigkeit und der sittlichen Normen…

Bjørnstjerne Martinius Bjørnson wurde am 8. Dezember 1832 als Sohn eines norwegischen Pastors in Kvikne (jetzt Tynset (Hedmark)) geboren. Als er 5 Jahre alt war, zog die Familie nach Romsdal (Møre og Romsdal). Schon in seiner Kindheit und Jugend war Bjørnson stark beeindruckt von der Landschaft, den Menschen und dem einfachen Bauernleben. Noch in seiner Schulzeit wurde der erste politische Artikel von ihm veröffentlicht (1848).

Ab 1850 war Bjørnstjerne Bjørnson Student in Kristiana an der Heltbergs studentfabrikk. Zu seinen befreundeten Kameraden gehörten Henrik Ibsen, Aasmund Olavsson Vinje und Jonas Lie. Er engagierte sich in der Bewegung für ein nationales norwegisches Theater und schrieb einige Theaterstücke, die er aber nicht veröffentlichte. Er arbeitete ab 1854 als Redakteur bei der Zeitung Morgenbladet, ab 1856 beim Illustreret folkeblad. Er schrieb auch Kritiken und Erzählungen an andere Zeitungen. 1857 schaffte Bjørnson seinen ersten Achtungserfolg mit dem Stück Mellem slagene (Zwischen den Schlachten). Im gleichen Jahr erschien Synnøve Solbakken.

1857 – 1859 folgte er Ibsen als künstlerischer Leiter am Norwegischen Theater in Bergen. Während dieser Zeit schrieb er das Gedicht Arne (1858) und die erste Version der norwegische Nationalhymne (1859). Im Jahre 1858 heiratete er Karoline Reimers. Die beiden bekamen in den folgenden Jahren fünf Kinder und wohnten auf dem Gut Aulestad in Gausdal (Oppland).
1860 wird En glad gut (Ein glücklicher Junge) veröffentlicht. Wie auch in Arne erzählt Bjørnson vom damaligen Landleben in Norwegen. Die Jahre 1860 – 1863 verbrachte Bjørnstjerne Bjørnson im Ausland, vorzugsweise in Italien. Er war tief beeindruckt von Michelangelo und den griechischen Skulpturen. Nachdem er wieder in Norwegen war, wurde ihm ein Dichterstipendium bewilligt. Von 1865 – 67 war Bjørnson Direktor des Theaters in Kristiana.

Bjørnstjerne-Bjørnson-Statue-Oslo

Bjørnson-Statue vor dem
Nationaltheater in Oslo
Foto: Anders Breivik Bisgård

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wendete er sich dem Realismus und den sozialen Problemen zu. In seinen Stücken En fallit (Ein Bankrott) und Redaktøren (Der Redakteur), beide 1875 geschrieben, wird dies deutlich. In Kongen (1877, Der König) beschäftigte sich Bjørnstjerne Bjørnson mit dem Verlust der christlichen Ideale in der damaligen säkularen Gesellschaft – ein Anliegen, das ihn in eine religiöse Krise und zu einer Ablehnung der kirchlichen Dogmen führte. Im Jahr 1882 verließ er Norwegen und verbrachte weitere fünf Jahre im Ausland, wo er das Theaterstück En hanske (1883, Ein Handschuh) und den Roman Det flager i byen og på havnen (1884, Es weht in der Stadt und im Hafen) schrieb. Beide behandelten die moralischen Probleme der damaligen Zeit und wandten sich gegen die bürgerliche Doppelmoral und die freie Liebe.

In den letzten Jahren seines Lebens war Bjørnstjerne Bjørnson oft krank. Seine letzten wichtigen Stücke waren Paul Lange og Tora Parsberg (1899), welches das Thema der politischen Toleranz behandelte, und schließlich das von einer starken lyrischen Kraft zeugende Gedicht Når den ny vin blomstrer (1909, Wenn der neue Wein blüht).

Sein ganzes Leben war von dem Glauben an den Sieg des Guten geprägt. Zahlreichen Briefe, Reden und Artikel zeugen von seiner Lebensauffassung und seinem ethischen Willen. Er war ein halbes Jahrhundert lang eine der führenden Persönlichkeiten im nationalen Kampf Norwegens. Als Dramatiker stand Bjørnstjerne Bjørnson im Schatten von Henrik Ibsen, aber die Besten seiner Gedichte, Erzählungen und Theaterstücke zeugen von seiner breiten Spannweite als Schriftsteller.

Bjørnstjerne Bjørnson starb am 26. April 1910 in Paris. Er wurde auf dem Friedhofshain Unser Heiland (Vår Frelsers Gravlund) in Oslo begraben.
Bjørnsons gesammelte Werke wurden in neun Bänden im Jahre 1919 veröffentlicht.

 

Weitere Infos unter:
Bjørnsonåret 2010
Bjørnstjerne Bjørnson i Norsk biografisk leksikon

 

 

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Gutulia- Nationalpark (Hedmark)

Gutulia Nationalpark

Foto: thevanvoyage.nl

Der Gutulia- Nationalpark liegt an der Grenze zu Schweden und ist der zweitkleinste Nationalpark Norwegens. Sein Gebiet wird geprägt von einem der letzten Urwälder des Landes und einer für die Hedmark typischen Gebirgs- und Sumpflandschaft. Die Bäume, überwiegend Kiefern, sind ungewöhnlich hoch und einige viele hundert Jahre alt. Der Park eignet sich hervorragend für lange Touren zu Fuß, zum Beeren pflücken und zum Angeln. Es gibt aber keine markierten Wege…

Der Gutulia- Nationalpark wurde 1968 eröffnet und 2004 erweitert. Trotzdem gehört er mit einer Fläche von nur 23 km² zu den kleinsten norwegischen Nationalparks. Der Park liegt vollständig in der Kommune Engerdal (Hedmark). Lange Zeit wurde das Gebiet nur für die Jagd und Fischerei genutzt. Seit dem 17. Jahrhundert lassen die Samen ihre Rentiere hier weiden. Von 1750 bis 1949 gab es drei Bauernhöfe, die Weidewirtschaft betrieben. Es gibt noch 13 inzwischen restaurierte Hütten aus dieser Zeit im Park. Sie stehen zum Teil für Besucher offen. Die ursprüngliche Vegetation wurde durch die Sennerei nicht beeinflusst.

Gutulia ist eine hoch gelegene Waldfläche. Der gesamte Nationalpark liegt zwischen 615 m und 949 m über dem Meeresspiegel. Die höchste Erhebung ist der große, runde Berg Gutulivola mitten im Park. Seine Kuppe ist baumlos, aber an den Hängen wachsen Kiefern und Fichten. Landschaftlich geprägt wurde das Areal durch die letzte Eiszeit. Hier war eine Zone, in der es kaum zu Gletscherbewegungen kam. Materialablagerungen sind deshalb als Grundmoränen vorzufinden.

Der nährstoffarme, aus Sandstein bestehende Boden ist nicht die beste Voraussetzung für ein üppiges Pflanzenwachstum. Und so sind lediglich rund 230 Pflanzenarten im Nationalpark registriert. An den Ufern der Flüsse, Bäche und Teiche sind die vegetationsreichsten Stellen mit typischen Gebirgsarten zu finden. Rund 75 Vogelarten wurden gesichtet, darunter typische Vertreter von Gebirgswaldarten und eine Reihe an Wattvögel. Aber auch Raubvögel wie Steinadler, Zwergfalken und Bussarde können beobachtet werden. Elche, Füchse, Marder, Biber, Otter und Minke leben im Gutulia- Nationalpark. Wilde Rentiere sind seit Ende des 19. Jahrhundert nicht mehr zu finden, aber zahme Rentiere weiden überall. Bären, Wölfe und Luchse lassen sich hin und wieder mal sehen.

 

Weitere Infos:

www.nasjonalparkstyre.no

 

 

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