Henrik Wergeland – norwegischer Dichter und Nationalist

Henrik Wergeland

Foto: Norsk Folkemuseum

In den nur 37 Jahren, die er lebte, hat Henrik Wergeland seine Spuren in ungewöhnlich vielen Bereichen hinterlassen. Er gilt allgemein als Begründer der norwegischen Nationalliteratur und kämpfte mit seinen Werken gegen Unterdrückung, Bevormundung und Ausbeutung an. Für Wergeland war die Freiheit des Menschen oberstes Ziel, was in seinen Arbeiten immer wieder deutlich wird.
Neben der Lyrik und Prosa interessierte er sich aber auch für die Musik, Medizin, Biologie und die Geschichte der Literatur. Er übte mehrere Jahre lang den Beruf des Priesters aus, bevor er zum ersten norwegischen Riksarkivaren (Reichsarchivar) ernannt wurde. Er war der erste Dichter in Norwegen, der Verse für Kinder schrieb. Die Literatur dem ganzen Volk zugänglich zu machen, war ein weiteres Hauptanliegen Henrik Wergelands…

Henrik Arnold Wergeland wurde am 17. Juni 1808 in Kristiansand geboren. Sein Vater Nicolai Wergeland war Priester und Politiker. Als Henrik neun Jahre alt war, zog die Familie nach Eidsvoll, dem Ort, in dem am 17. Mai 1814 die erste norwegische Verfassung angenommen wurde. Dieses Ereignis fesselte ihn schon früh, und heute ist er aus der Geschichte des 17. Mais nicht mehr wegzudenken. Von 1819 – 1825 besuchte er die Katedralskolen in Kristiania (heute Oslo). Hier begann er mit dem Schreiben von Novellen, Theaterstücken und Gedichten. Die erste Veröffentlichung einer Erzählung gelang ihm am 17. Juli 1821 im Morgenbladet. Ab 1925 studierte Wergeland in Kristiania Theologie. Er nahm rege am Studentenleben teil, war eifrig bei der Organisation der Feierlichkeiten zum 17. Mai dabei und veröffentlichte unter dem Pseudonym Siful Sifadda mehrere satirische Texte. Vor allem aber schrieb er lyrische, Natur- und Liebesgedichte.

Im Jahre 1829 erschien Henrik Wergelands brillantes Werk Digte, første Ring. Im gleichen Jahr beendete er erfolgreich sein Theologiestudium. Er reiste durch Norwegen und eröffnete öffentliche Bibliotheken mit gespendeten Büchern. Er selbst brachte Lehrbücher für Geschichte und Botanik, ein Lesebuch für Kinder und mehrere Hefte (For Almuen) heraus, die Wissen an das Volk vermittelten. Nebenher kämpfte er für die kulturelle und sprachliche Unabhängigkeit von Dänemark. Wichtig war auch sein Einsatz für die Reformierung der norwegischen Sprache. Vorschläge, die er machte, um die Sprache zu vereinfachen und Wörter zu kürzen, wurden in späteren Rechtschreibreformen aufgegriffen.

Sein Priesteramt wurde ihm von der Regierung wegen “Ungehorsam” entzogen. 1834 schrieb er sich als Medizinstudent ein, gab das Studium zwei Jahre später aber wieder auf. 1835 veröffentlichte er sein bestes Theaterstück Barnemordersken. Von 1835 – 37 war er zudem Redakteur der Zeitung Statsborgeren, ein radikal-demokratisches Oppositionsblatt. In den darauffolgenden Jahren erreichte er seinen Höhepunkt als Dichter. 1839 heiratete er Amalie Sofie Bekkevold. 1840 folgte die Ernennung zum ersten Riksarkivaren Norwegens. Dass er nun vom König bezahlt wurde, brachte ihm nicht wenig Kritik auch von Freunden ein. Das Amt bekleidete er bis zu seinem Tod am 12. Juli 1845 in Kristiania. Er ist auf dem Friedhofshain Unser Heiland (Vår Frelsers Gravlund) in Oslo begraben.

 

Weitere Infos:
Henrik Wergeland i Norsk biografisk leksikon
www.wergeland2008.no
www.wergelandogstortinget.no

 

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
  1. Pingback: Minderheiten in Norwegen: Juden (jøder) - Norwegenstube

  2. Pingback: Camilla Collett - norwegische Dichterin und Feministin - Norwegenstube

Hinterlasse eine Antwort

Boknafjord - längster Fjord in Ryfylke (Rogaland)

Boknafjord

Foto: regionstavanger-ryfylke.com

Nördlich von Stavanger schneidet sich der Boknafjord großflächig zunächst, später weit verzweigt ins Landesinnere. Ryfylke nennen die Norweger diese wunderschöne Gegend. Hier gibt es unendlich viele Möglichkeiten für Aktivurlauber. Kanu- oder Kajakfahren, Angeln, Lachssafaris, Surfen, Kiten, Bergklettern, Ziplining, Skifahren, Radfahren, Wandern oder auch Extremsportarten wie Base-Jumping und Paragliding. Der Boknafjord ist das Tor zu einem der größten Fjordsysteme des norwegischen Festlands und lädt das ganze Jahr über Besucher und Touristen ein, diese märchenhafte Welt zu entdecken…

Der Boknafjord ist im nördlichen Teil der Provinz Rogaland zu finden. Die Mündung liegt zwischen Jæren im Süden und der Insel Karmøy im Norden. Im Gegensatz zu den anderen Fjorden an der Westküste Norwegens ist er nicht als Abfluss eines Gletschers entstanden. Hier überflutete das Meer abgesunkenes Land. Aus diesem Grund ist der Fjord in seinem äußeren und mittleren Bereich offen und sehr breit. Eine ganze Reihe großer und kleiner Landerhöhungen liegen jetzt als Inseln in ihm. Die größten sind Karmøy, Ombo, Rennesøy, Vestre Bokn und Finnøy.

Es gibt Dutzende von kleineren Fjorden, die vom Boknafjord oder einem seiner Fjordarme abzweigen und sich tief durch die Bergwelt im Landesinneren schneiden. Die wichtigsten sind Saudafjord, Sandsfjord, Vindafjord, Høgsfjord, Lysefjord und Gandsfjord. Zwischen dem Leuchtturm Kvitsøy fyr und Hylen am Ende des Hylsfjords erreicht der Boknafjord mit knapp 100 km seine längste Ausdehnung. Die Kommunen Kvitsøy, Rennesøy, Finnøy, Tysvær, Bokn und Karmøy liegen im oder am Fjord.

Derzeit im Bau befindet sich das Megaprojekt Rogfast. Zwischen den Städten Stavanger und Haugesund soll unter Wasser der Boknafjord unterquert werden. Mit einer geplanten Länge von 26,7 km und dem tiefsten Punkt 392 m unter dem Meeresspiegel wird es der längste und tiefste Unterwasserstraßentunnel der Welt werden. Die Eröffnung ist für den Jahreswechsel 2025/2026 angedacht. Der Tunnel wird Teil der fährenfreien E39 zwischen Kristiansand und Trondheim sein.

 

Weitere Infos zum Boknafjord:

de.regionstavanger-ryfylke.com

 

 

© 2002 - 2024 Schwedenstube by Karsten Piel All Rights Reserved